Direkt zum Inhalt

Warum uns die Ausbildung junger Menschen gerade vermiest wird

Das Ausbildungssystem in Deutschland wurde weltweit immer sehr stark gelobt. Das System gründet sich darauf, dass Auszubildende nach der Schule in einen Betrieb gehen und eben auch einen gewissen Teil der Zeit in einer Berufsschule verbringen. Das System hat für uns jahrzehntelang gut funktioniert. 

Mittlerweile nehmen wir Auszubildende nur noch in absoluten Ausnahmesituationen auf, weil das System über die Jahre keine Win-Win-Situation mehr für unsere Firma darstellt. Früher war es so, dass Auszubildende im Prinzip einen Berufseinstieg ermöglicht bekommen haben, aber nebenher von den Betrieben auch wie richtige Mitarbeiter Projekte und Verantwortung übertragen bekommen haben. Ein »Azubi« hat geschafft! 

Wir haben zum Beispiel grundsätzlich 90 Prozent unserer Auszubildenden übernommen, also eine klare Win-Win-Situation. Wir haben schon immer Auszubildende besser bezahlt, als es von der IHK, die in Deutschland die Ausbildung organisiert, vorgesehen war. 

Die Auszubildenden standen dem Betrieb tatsächlich ziemlich häufig zur Verfügung, und es war auch damals völlig normal, dass ein Auszubildender zum Beispiel mal nur einen Vormittag Berufsschule hatte und nachmittags im Betrieb gearbeitet hat. Das ist heute undenkbar! Sowas ist einem 18-jährigen nicht zuzumuten! Grenzt an Folter! 

Und wir hatten Erfolg: Wir haben zum Beispiel eine ehemalige Auszubildende in unserem Vorstand, und wir haben mehrere ehemalige Auszubildende, die locker sechsstellige Beträge verdienen. Das alles zu großen Teilen ohne Abitur und Studium. 

Nun ist alles anders: 
Mittlerweile nämlich sind Trainees wie »Könige« im Betrieb zu behandeln. Und es ist schwer zu erklären, warum ein Auszubildender deutlich mehr Rechte hat als ein »gewöhnlicher« Mitarbeiter. 

Heute ist es gefühlt so, dass ein Auszubildender in der Berufsschule zuerst einmal sechs Wochen lang seine Rechte beigebracht bekommt und was er alles auf gar keinen Fall im Betrieb tun darf und was der Betrieb alles für ihn tun muss. Früher konnten wir auch noch die Stundenzahlen in den Ausbildungsverträgen verändern, und das ging bei der IHK durch. Genauso bei bestimmten Urlaubsregeln. Das geht alles nicht mehr. Natürlich braucht es besonderen Schutz für minderjährige Auszubildende. Aber mit 18 ist man voll geschäftsfähig, und sollte auch so behandelt werden dürfen. 

Bei uns haben im Schnitt Auszubildende mehr Urlaub als andere Mitarbeiter und deutlich weniger Arbeitsstunden. Dazu kommen irre Rahmenausbildungspläne, die hier wirklich niemand versteht. Es macht überhaupt keinen Sinn, dass jemand, der Grafikdesigner lernen möchte, zum Beispiel laut Plan vier Wochen im Lager ausgebildet werden muss und dann auch noch mal vielleicht vier Wochen in der Buchhaltung. Genauso reicht es für einen Vertriebler, wenn er weiß, was im Lager gemacht wird und wie man da vorgeht. Natürlich muss er sich das Lager mal anschauen und dort auch mal mitarbeiten, aber das reicht, wenn er das drei Tage macht. Und wieso muss ein Buchhalter vier Wochen in der Marketingabteilung lernen? 

Wenn man sich konkret an diesen Rahmenplan hält, steht der Azubi in drei Jahren seiner eigentlichen Abteilung vielleicht nach Abzug von Ferien elf bis zwölf Monate zur Verfügung. Das kann doch nur ein Witz sein! 

Hinzu kommt, dass alle darüber meckern, dass die jungen Menschen nicht mehr rechnen und schreiben können. In der Berufsschule gibt es aber Fächer wie zum Beispiel Sport und Ethik, die dort meiner Ansicht nach absolut gar nichts zu suchen haben! Dann werden auch noch Klassenfahrten veranstaltet, deren Sinn sich uns auch nicht entschließt. 

Am Ende ist klar: Wenn wir die jungen Menschen so ausbilden sollen, wie sich IHK und Staat das vorstellen, dann müssten wir dafür in der Tat dem Staat eine Rechnung schreiben. Und, die Azubis müssen lernen, dass eine Ausbildung nicht Spiel, Spaß und Sport ist, sondern eine Vorbereitung auf das Berufsleben!

CEO ONLINE – Fragen Sie mich alles!

Öffnen Sie den Chat-Dialog, beginnen Sie ein neues Gespräch und wählen Sie unter Abteilung CEO.