Direkt zum Inhalt

Warum wir Dir einen späteren Liefertermin nennen als der Hersteller

Es passiert regelmäßig, und die Stimmung am Telefon ist jedes Mal dieselbe: »Der Hersteller sagt KW 40, Ihr sagt KW 41 – warum seid Ihr langsamer?« Die kurze Antwort: Wir sind nicht langsamer. Wir sind nur ehrlicher darüber, was der Termin bedeutet. Die lange Antwort schreibe ich hier auf, weil sie Dir beim nächsten Projekt eine unangenehme Mail an Deinen Endkunden ersparen kann.

Ein Liefertermin des Herstellers ist in aller Regel ein Versandtermin. Er sagt, wann die Ware beim Hersteller das Haus verlässt – nicht, wann sie bei uns ankommt, und schon gar nicht, wann sie bei Deinem Kunden steht. Dazwischen liegen Transport, Wareneingang, Prüfung, Einlagerung, Kommissionierung und der Weg zu Dir. Das sind keine Wochen, aber es sind Tage, und diese Tage entscheiden, ob Dein Rollout am Montag startet oder am Montag darauf.

Stell Dir vor, wir würden Dir einfach den Herstellertermin weitergeben. Du reichst ihn an Deinen Endkunden weiter, der plant sein Personal, bucht den Techniker, informiert die Filialen. Dann ist die Ware zwar pünktlich verschickt, aber noch nicht da. Formal hat keiner gelogen. Praktisch stehen zwölf Leute in einer Filiale und schauen auf einen leeren Platz, wo die Palette stehen sollte. Wer bezahlt den Techniker, der umsonst angereist ist? Nicht der Hersteller. Nicht wir. Du.

Deshalb nennen wir Dir den Termin, an dem wir die Ware realistisch an Dich übergeben können. Der ist später als der Herstellertermin, manchmal ärgerlich viel später, und er gewinnt am Telefon keinen Schönheitswettbewerb. Aber er ist der Termin, den Du Deinem Kunden weitergeben kannst, ohne Dich zu blamieren. Ein Distributor, der Dir den früheren Termin nennt, verkauft Dir keine schnellere Lieferung. Er verkauft Dir gute Laune – bis zu dem Tag, an dem die Ware nicht da ist.

Jetzt der unbequeme Teil: Auch unser Termin hält nicht immer. Hersteller verschieben, Container verspäten sich, eine Charge fällt durch die Prüfung. Ich habe schon geschrieben, dass wir Termine zugesagt haben, die der Hersteller uns anschließend zerlegt hat – das passiert weiterhin. Der Unterschied liegt nicht darin, ob sich ein Termin verschiebt, sondern darin, wann Du davon erfährst. Bei uns erfährst Du es, sobald wir es wissen. Nicht am Liefertag, wenn Du nachfragst.

Und ein Rat, der Dich nichts kostet: Sag uns bei jedem Projekt, das an einem festen Datum hängt, das Datum – nicht nur die Menge. »Wir brauchen 60 Geräte« ist eine Bestellung. »Wir brauchen 60 Geräte, eingerichtet, am 3. November, weil dann die Filiale eröffnet« ist ein Projekt. Bei einem Projekt können wir früher bestellen, Ware zurücklegen oder Dir rechtzeitig sagen, dass es knapp wird. Über EOL mit Ansage habe ich schon geschrieben; das hier ist dasselbe Prinzip im Kleinen: Wer früh redet, hat Optionen.

Am Ende ist ein Liefertermin weder Wunsch noch Schätzung, sondern eine Zusage, auf die jemand anderes seine Planung baut. Wir nennen Dir lieber einen Termin, der Dir heute nicht gefällt, als einen, der Dich in drei Wochen in Erklärungsnot bringt.

Denn merke: »Ein früher Termin, der nicht hält, ist langsamer als ein später, der hält.«
 

CEO ONLINE – Fragen Sie mich alles!

Öffnen Sie den Chat-Dialog, beginnen Sie ein neues Gespräch und wählen Sie unter Abteilung CEO.