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Meinung: Warum kein Mensch mehr PowerPoint sehen will

Ich sage es, wie es ist: Ich kann keine Folien mehr sehen. Nicht, weil ich zu alt dafür wäre, sondern weil ich zu viele gesehen habe. Vierzig Stück pro Termin, Agenda-Folie, »Wer wir sind«-Folie, die obligatorische Weltkarte mit den Standorten, drei Balkendiagramme und am Ende »Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit« – als hätte man die Aufmerksamkeit nicht neunzig Minuten vorher verloren. Und ich weiß, dass es Dir genauso geht. Es geht nämlich allen so, nur sagt es keiner, weil alle selbst welche machen.

Dabei ist die Folie gar nicht das Problem. Das Problem ist, was aus ihr geworden ist: ein Vorlesegerät. Da steht ein erwachsener Mensch, der sein Thema angeblich beherrscht, dreht dem Publikum den Rücken zu und liest vor, was ohnehin jeder selbst lesen kann – nur langsamer. Ich sitze dann da und rechne mit: Zwölf Leute im Raum, neunzig Minuten, das sind achtzehn Arbeitsstunden, und der Erkenntnisgewinn hätte in eine E-Mail mit fünf Sätzen gepasst. Wer mir etwas vorliest, sagt mir im Grunde: Ich traue weder meinem Stoff noch mir selbst zu, dass wir ein Gespräch überstehen.

Und jetzt kommt die neueste Eskalationsstufe: die KI-generierte Präsentation. Auf Knopfdruck vierzig Folien, sauber formatiert, hübsche Icons, fehlerfreies Corporate Design. Sieht aus wie Arbeit, ist aber keine. Früher war eine polierte Präsentation wenigstens ein Signal: Da hat jemand Zeit investiert, also ist ihm der Termin wichtig. Dieses Signal ist tot. Wenn Politur nichts mehr kostet, ist Politur nichts mehr wert. Was ich heute an einer Präsentation ablese, ist nicht mehr, wie gut sie aussieht – sondern ob irgendjemand vor dem Termin nachgedacht hat. Und das erkennt man erstaunlich schnell: KI-Folien sind glatt, generisch und austauschbar. Man könnte das Firmenlogo tauschen, und niemand würde es merken. Genau das ist das Urteil.

Das Absurde daran: In unserer Branche ist die Alternative so einfach. Wir verkaufen Hardware. Dinge, die man anfassen kann. Wenn mir jemand einen neuen Scanner zeigen will, dann soll er ihn mitbringen, einschalten und mich damit scannen lassen – nicht zwanzig Folien über die »Scan-Performance« zeigen. Eine Live-Vorführung, bei der auch mal etwas schiefgeht, sagt mir mehr über ein Produkt und über den Menschen davor als jedes Diagramm. Und für alles, was sich nicht anfassen lässt: ein Blatt Papier mit den fünf Zahlen, auf die es ankommt, und dann reden. Richtig reden, mit Fragen, Widerspruch und dem Risiko, dass der Termin eine unerwartete Wendung nimmt. Das ist der Punkt, an dem aus einem Termin ein Geschäft wird.

Ich habe die besten Entscheidungen meines Berufslebens nicht nach Präsentationen getroffen. Ich habe sie nach Gesprächen getroffen, nach Werksbesuchen, nach dem Moment, in dem jemand ohne Folie erklären konnte, warum sein Produkt besser ist – und ehrlich zugab, wo es das nicht ist. Eine Folie kann vieles verstecken: dünne Argumente hinter dicken Diagrammen, Unsicherheit hinter Animationen, fehlende Substanz hinter Vollständigkeit. Ein Gespräch versteckt nichts. Vielleicht meiden deshalb so viele das Gespräch.

Deshalb, als Bitte an alle, die mit uns Termine machen – Hersteller, Partner, Dienstleister, gerne auch die eigenen Kollegen: Bringt Substanz mit, kein Deck. Wenn es Folien sein müssen, dann fünf, und keine davon vorgelesen. Zeigt das Produkt, nennt die Zahlen, sagt, was Ihr von uns wollt, und lasst uns dann reden. Ihr werdet feststellen: Die Termine werden kürzer, die Ergebnisse besser, und niemand vermisst die Weltkarte mit den Standorten. Wirklich niemand.

Denn merke: »Wer mir etwas vorlesen will, kann mir auch eine E-Mail schreiben. Wer mir etwas verkaufen will, muss mit mir reden.«
 

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