Direkt zum Inhalt

Distributions-Mechanik: Warum es Non-Stocking-Distis gibt – und warum sie eigentlich keine sind

In meinem Beitrag über den Direktverkauf an Endkunden ist der Begriff einmal kurz gefallen: der »Non-Stocking-Distributor«. Heute soll er seinen eigenen Absatz bekommen, denn er ist ein faszinierendes Wesen – ein Distributor, der das Lager weglässt. Also genau das Teil, das Distribution erst zu Distribution macht.

Was macht so ein Non-Stocking-Disti? Er nimmt eine Bestellung entgegen, reicht sie an den Hersteller weiter, lässt direkt ausliefern oder durchschleusen und verdient an der Differenz. Kein Regal, kein gebundenes Kapital, kein Bodensatz, kein Inventory-Management um drei Uhr nachts. Auf dem Papier klingt das herrlich schlank. Und in manchen Welten – bei reiner Software, bei Lizenzen, bei Cloud-Subscriptions – ist es das auch. Da gibt es schlicht nichts einzulagern. Ehrenwerte Sache.

Nur: In unserer Welt, der Welt aus Scannern, Druckern, Terminals und Kabeln, ist genau das Lager der Kern der Leistung. Erinnere Dich, worüber ich diese ganze Serie über geschrieben habe: Vorfinanzierung, Zahlungsziele, die letzte Meile, das Aufteilen von Paletten in drei Drucker und ein Kabel bis morgen früh, Price Protection auf physische Bestände, Projektware, die monatelang reserviert im Regal steht. Das alles braucht – ein Lager. Wer es weglässt, lässt nicht den lästigen Teil weg, sondern den eigentlichen.

Deshalb sage ich provokant: Ein Non-Stocking-Distributor ist im Hardware-Geschäft gar kein Distributor. Er ist ein Vermittler, ein Broker, eine Durchreiche mit Briefkopf. Das ist nichts Ehrenrühriges – aber es ist ein anderes Geschäft. Er trägt nicht das Risiko, er finanziert nicht den Bestand, er kann nicht »morgen früh« liefern, weil er heute nichts hat. Im Moment, in dem der Hersteller nicht liefern kann, in dem das Quartalsende klemmt, in dem der Kunde plötzlich 200 Stück sofort braucht – in genau diesem Moment zeigt sich der Unterschied zwischen jemandem, der Ware hat, und jemandem, der nur Ware verspricht.

Und es gibt noch einen ehrlichen Punkt: Das Lager ist auch der Grund, warum Distribution Geld verdient. Wer kein Kapital bindet und kein Risiko trägt, kann auch keine echte Marge dafür verlangen. Der Non-Stocking-Disti lebt von einer hauchdünnen Vermittlungsspanne und ist beim ersten Preiskampf oder der ersten Lieferkrise als Erster weg. Das Lager ist teuer, ja. Aber es ist auch der Burggraben.

Versteh mich nicht falsch: Es gibt Segmente, in denen das Modell ohne Lager perfekt passt. Aber wer im Hardware-Geschäft »Distributor« auf die Tür schreibt und das Lager weglässt, der verkauft den Begriff, nicht die Leistung.

Und genau deshalb sollten Hersteller mit dieser Form der Distribution in Zukunft Schluss machen. Diese sogenannten Distributoren schaden dem Channel.

Denn merke: »Ein Distributor ohne Lager ist wie eine Bank ohne Tresor – das Schild stimmt, der Inhalt fehlt.«

CEO ONLINE – Fragen Sie mich alles!

Öffnen Sie den Chat-Dialog, beginnen Sie ein neues Gespräch und wählen Sie unter Abteilung CEO.